Sommerzeit

Nach ein paar sehr heißen Augustwochen bringe ich nun endlich wieder genug Elan auf, um euch auf dem Laufenden zu halten. Wie geht es Sherlock, dem inzwischen 7 Monate alten Kooikerhondje?

Er ist ein mopsfideler (haha) Junghund, der inzwischen sein volles Erwachsenengebiss hat und dieses sehr gerne einsetzt. Reihenweise Schlafunterlagen und Kuscheldecken fallen ihm zum Opfer. Seine Kuscheltiere wandern eins nach dem anderen ausgeweidet in den Mülleimer… Drei Ratten: zerfetzt. Sein Hase: ist jetzt ein Teddy, da er keine Ohren mehr hat. Sein brandneuer pinker Flamingo: wartet ohne Nase darauf, dass ich meine Nähnadeln in den Umzugskartons wiederfinde, um ihn zu flicken.

Im Garten buddelt er für sein Leben gern, wenn er nicht gerade Nachbars Katze vom Grundstück jagt, was wir ihm regelmäßig versuchen zu verbieten (also das Buddeln, hehe). Dafür darf er sich auf Spaziergängen beim Buddeln austoben. Interessanterweise scheint er nicht immer nach Mäusen oder Maulwürfen zu suchen, sondern liebt es an frischen Wurzeln zu knabbern. Merkwürdiger Hund. Irgendwie hat er durchaus etwas von einem Schaf.

Inzwischen haben wir das erste medizinische Dilemma mit ihm durchgemacht. Wer gerade beim Essen ist, sollte diesen Absatz vielleicht besser überspringen.
Eine echte Krankheit war es zum Glück nicht, aber hatte einen massiven Gewichtsverlust zur Folge. Was war passiert? Unser Hund, der nicht nur Anteile vom Schaf aufweist, sondern eindeutig auch ein Staubsauger ist, hat sich beim Grillen mit Freunden einen ungenügend bewachten halben Maiskolben vom Grillgutteller geklaut und flink wie er ist, runtergeschlungen. Mais ist nicht das Problem, der war sogar ungewürzt. Dummerweise hat er auch den gesamten Kolben, also das harte Innere, mit hinab gewürgt. OHNE zu kauen… Die Folge war, dass er nach zwei Tagen anfing täglich zu kotzen. Am Freitag, also fast eine Woche nach dem Verschlucken, fragten wir einen Tierarzt, was wir tun sollen. Der wiegelte ab, erst einmal weiter beobachten, alles halb so wild. Am folgenden Sonntag dann endlich: ein herzhaftes Erbrechen und ein großes Stück Strunk kam mit heraus! Große Erleichterung. Doch diese sollte nicht lange anhalten. Schon am Mittwoch, nach zwei Tagen ohne Erbrechen, ging es zu unserer großen Verwunderung wieder los mit dem täglichen Erbrechen. Wieder Freitag, wieder Anruf bei einem (anderen) Tierarzt. Dieses Mal Verständnis und der Rat unbedingt besser heute als morgen zur Untersuchung zu kommen. Leider war bei diesem Tierarzt kein Termin mehr zu bekommen, aber uns wurde eine Kollegin empfohlen. Also dort angerufen und auch dort trafen wir auf gute Beratung und einen Termin am Samstagmorgen. Sherlock wurde direkt geröntgt um Klarheit zu bekommen. Und tatsächlich: eindeutig war immer noch ein Stück Maisspindel im Magen. Wir hatten großes Glück im Unglück, dass es nicht zu einem Darmverschluss kam! Die Tierärztin konnte keine Magen-OP durchführen, da sie am Sonntag die Nachsorge nicht hätte gewährleisten können. Endoskopisch wollte sie das Stück auch nicht entfernen, aus Angst bei der Größe des Fremdkörpers die Speiseröhre zu verletzen. Sie probierte deshalb eine andere Taktik aus. Sollte diese ungefährliche Version nicht funktionieren, müssten wir zur Magen-OP in die Tierklinik nach Potsdam. Der Plan sah vor, dass unser kleiner Nimmersatt einmal bis zum Platzen Nassfutter fressen durfte. Geschlagene fünf Dosen wurden es! Da staunte sogar die Tierärztin, wie viel Futter in diesen kleinen Hund passt. Und dann… dann wurde die Spritze mit einem Brechmittel gesetzt! Es dauerte keine drei Minuten, da wurde ihm schon übel, er begann zu speicheln, zu schlucken und wurde unruhig. Doch beim zweiten herzhaften Erbrechen dann endlich Erleichterung. Der Plan war aufgegangen! Das letzte Stück Maisspindel war wieder ans Tageslicht befördert worden. Nach gut zwanzig Minuten setzte die Tierärztin dann endlich das Gegenmittel. Hund und Herrchen waren ziemlich mitgenommen. Sherlock war ein Häuflein Elend, so mitleiderregend anzuschauen. Wieder zu Hause durfte er bis zum Mittag nicht einmal etwas trinken (und das bei der Sommerhitze!). Die drei Treppenstufen ins Haus machten ihm ganz schön zu schaffen, er konnte bloß stolpern und rannte schnurstracks zu der Stelle, an der sonst sein Trinknapf steht. Das war wirklich herzzerreißend.
Den Rest des Wochenendes hat er Schonkost bekommen, den Klassiker: totgekochter Reis mit totgekochtem Geflügelbrustfleisch, totgekochte Karotten zu Brei zermatscht und Hüttenkäse.
Nach dieser anstrengenden Zeit hieß es dann aufpäppeln.

Und jetzt wieder zu schönen ersten Malen. Wir wollen die schöne Gegend hier auch gerne wieder mit dem Fahrrad erkunden. Doch ein Junghund darf und kann noch nicht ausdauernd rennen. Also musste ein Fahrradanhänger her! Er ist groß genug, dass sich Sherlock bequem reinlegen kann und trotzdem ist er noch nicht restlos begeistert. Jedenfalls ist er noch relativ unruhig und „kratzt“ am Netzstoff um hinaus zu kommen, obwohl er nach vorne Herrchen sieht und ich hinter ihm bin und mit ihm spreche. Man muss aber auch dazu sagen, dass er gerade voll in der Pubertät ist…! Autofahren zum Beispiel war für ihn nie ein Problem. Und ohne, dass irgendetwas dabei vorgefallen wäre, fängt er zurzeit bei jedem Anfahren an zu Jammern, Jaulen und Rumzumosern. Wir ignorieren das, in der Hoffnung, dass es sich bald wieder legt.
Und genauso halten wir es auch beim Fahrradanhänger. Wir werden einfach weiterhin mit Mini-Touren anfangen, ihm dabei jedes Mal das ein oder andere Hasenohr knabbern lassen und abwarten.

Auch die Sozialkontakte unseres Hundes können wir inzwischen wieder regelmäßig ausbauen. Wir haben endlich eine größtenteils zufriedenstellende Hundeschule gefunden, die wir nun wieder am Wochenende besuchen.
Dass dieser Hund einer „für gut“ werden könnte, zeigte sich auch wieder, als wir im Möbelhaus waren und Sherlock ganz artig im Einkaufswagen sitzen geblieben ist. Und auch ein weiterer Besuch im Baumarkt ließ er gelassen über sich ergehen und bewachte dabei zugleich die erbeutete Ware. 😉

Und jetzt mal eine aktuelle Frage an die „community“: Habt ihr gerade auch so ein enormes Zeckenproblem??? Da wir immer viel mit dem Hund in Wiesen und Wäldern unterwegs sind, hat er schon im Frühsommer eine Tablette gegen Zecken bekommen. Das war auch gut so. Obwohl es den gesamten Sommer über nicht so übel war, wie jetzt seit den letzten paar Tagen. Seit die große Sommerhitze vorbei ist, sind diese Mistviecher so aktiv, dass wir selbst nach der kürzesten Gassirunde eine Hand voll vom Hund abzupfen können. Abends, nach der letzten und ausgiebigsten Spazierrunde, gern auch durch den Wald, brauchen wir eine gute viertel Stunde, bis wir den Hund vollständig abgesucht haben. Dabei sind nicht selten vier Zecken gleichzeitig an, in und auf einem Ohr. Hoffentlich wird es bald Herbst und wir sind die Plage los.
Daher soll er auch eigentlich nicht (von sich aus) auf das Sofa! Aber auch das möchte nicht in seinen kleinen Hundeschädel. Wenn er dann doch mal denkt, schlauer als wir zu sein, versucht er halt nicht auf das Sofa zu kommen, sondern legt sich auf den Sessel. Aber natürlich nur, während wir nicht im Raum sind. Dummerweise schläft es sich auf Sofa und Sessel so gut, dass er versäumt aufzustehen, bevor wir wieder ins Wohnzimmer kommen (daher die Beweisfotos).

Und nun wünsche ich noch ein paar schöne letzte Sommerwochen! Wir verziehen uns in den ersten richtigen Erholungsurlaub mit Hund an die Nordsee! Ich freue mich auf die dort entstehenden Fotos und präsentiere sie euch gerne im Oktober.
Bis dahin – viel Freude mit den Fotos von Sherlock im Alter von sechs bis sieben Monaten!

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